Update #8

Update #8 Vietnam: Ho Chi Minh City, Mui Ne, Dalat, Hoi An, Hanoi, Sapa


Vietnam ist anders als die Philippinen und Indonesien. Das merkt man sofort. Um den Unterschied deutlich zu machen, dient etwas ganz Alltägliches: Wäsche waschen beziehungsweise waschen zu lassen. Auf meiner Reise habe ich alle 10 Tage meine Wäsche bei einer Wäscherei abgegeben. Es war jedes Mal eine Freude, die Wäsche am Folgetag wieder abzuholen. Immer waren alle Kleidungsstücke sauber und akkurat zusammengelegt und zu einem handlichen Paket zusammengeschnürt. Würde es in Deutschland einen Wäscheservice geben, der ähnliche Preise wie die Wäschereien in Südostasien verlangen würde, dann wäre ich dort Stammkunde.

So gab ich auch in Ho Chi Minh City meine Wäsche ab. Was ich am nächsten Morgen in meinen Händen hielt, war ein bisschen enttäuschend. Die Klamotten wurden, ohne sie richtig zu sortieren, in eine Plastiktüte geworfen, die T-Shirts waren faltig. Nicht das mich das stören würde. In Deutschland fehlt mir ehrlich gesagt auch die Geduld, die Wäsche nach dem Trockenen zu falten und im Schrank zu stapeln.

Ich glaube aber dieses Beispiel zeigt recht gut, wie unterschiedlich die Vietnamesen und Vietnam als Land sind, wenn man aus Indonesien und den Philippinen kommt. Das Symbol der nicht gefalteten Wäsche lässt sich auf die Art der Vietnamesen übertragen. Alles scheint sehr direkt und intensiv. Die Vietnamesen sind nicht unfreundlich aber manchmal etwas rau. Genau das bestätigten mir auch viele andere Reisende, die ich fragte, wie sie die Art der Vietnamesen empfinden.
Liegt das vielleicht an der Geschichte Vietnams? Die französische Kolonie in Indochina und der Vietnamkrieg, der von 1955 bis 1975 stattgefunden hat, hat dem Volk keine einfachen, sondern brutalste Zeiten beschert.

Während ich die ausführlich gestaltete Serie „The Vietnam War: A Film by Ken Burns and Lynn Novick“ auf Netflix anschaute, fuhr ich mit Bus, Zug oder Motorrad durch genau die ehemaligen Schauplätze des Vietnamkriegs, die zeitgleich in der Serie beschrieben wurden. Eine spannende Erfahrung, so nah an der Geschichte zu sein. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas nach dem Zweiten Weltkrieg noch mal möglich war.
Das bekannte Museum zum Thema Vietnamkrieg in Saigon ist sehr eindrucksvoll. Mit vielen Bildern wird dem Besucher die Grausamkeit, nicht aber eine objektive und sachliche Übersicht des Krieges nahegelegt. So werden im Museum die Amerikaner im Gesamten für ihre Taten bloßgestellt. Ohne Zweifel, die Taten der Amerikaner, wie zum Beispiel die „Search and Destroy Missions“ waren schrecklich, doch wichtig zu erwähnen, es gab durchaus auch amerikanische Politiker und Soldaten, die erhebliche Zweifel an diesem Krieg hatten. Und das wird in dem Museum komplett vergessen zu erwähnen.

Neben einem Besuch im Museum war ich auf einem Hochhaus und habe Ho Chi Minh City von oben gesehen. In meinem Hostel habe ich viele Leute kennengelernt, mit denen ich abends in der Stadt unterwegs war. 8 × 0,33L Bier kosten in einer einfachen Bar mit kleinen Plastikhockern auf der Straße ca. fünf Euro. Ho Chi Minh City ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Nach zwei Tagen war ich aber doch froh, der Großstadt zu entkommen.

In Mui Ne, einer Stadt an der Küste, verbrachte ich 2 Nächte. Das Besondere waren die Wüsten in der Nähe der Stadt. Auf dem Weg zu den Dünen wurde ich von der Polizei angehalten. Da ich meinen internationalen Führerschein nicht bei mir hatte, zahlte ich der Polizei 20 Euro und durfte weiterfahren. Das ist eine normale Prozedur. Manchmal, so habe ich gehört, fragen die Polizisten nach mehr Geld von einem ATM. Und auch wenn ich meinen internationalen Führerschein dabeigehabt hätte, hätte der Polizist gesehen, dass ich in Deutschland kein Motorrad fahren darf. Ich hätte also sowieso zahlen müssen. Das neunjährige Kinder Motorrad fahren stört die Polizei eher weniger.

Besonders angenehm war der Aufenthalt in Dalat. Die Stadt liegt im südvietnamesischen Bergland. Angenehme 20 Grad hatte es dort.
Eines der Highlights in Vietnam war die Zugfahrt von Nha Trang nach Danang. Dafür suchte ich mir extra einen Zug raus, der tagsüber fuhr. In einem sehr gemütlichen Tempo ruckelte der Zug auf einer Schmalspur durch Reisfelder, Berge und kleine Bahnhöfe. Für die 500km lange Strecke benötigte der Zug um die zehn Stunden.


Von Danang ging es am selben Abend noch nach Hoian. Die kleine französisch geprägte Altstadt mit den vielen bunten Lichtern zieht viele Besucher an. Es gibt viele gute Restaurants und einen sehr belebten Nachtmarkt mit Streetfood. Da ich vieles probieren wollte, habe ich in den Tagen sehr viel gegessen, zu viel.

Das besondere an Hoian sind die vielen Schneider, die Anzüge, Hemden und Kleider nähen und das in einer erstaunlich guten Qualität. Schon am ersten Morgen, ich radelte mit dem Fahrrad durch die Stadt, fuhr eine Frau neben mir auf einem Motorrad entlang. Sie verwickelte mich in ein Gespräch und forderte mich schließlich auf, ihr in ihre Schneiderei zu folgen. Ich frühstückte zuerst etwas, während sie vor dem Restaurant wartete. In der Schneiderei wurde mir ein dicker Ordner mit Musterbeispielen gezeigt. Ich ließ mich überreden einen maßgeschneiderten Anzug anfertigen zu lassen und wie sich ein paar Stunden später herausstellte, war das genau die richtige Entscheidung. Ich hatte erst Bedenken, da manche andere Schneidereien deutlich professioneller und populärer aussahen. Im Nachhinein erfuhr ich aber, dass die kleinen Schneidereien genauso gut sind.


Am selben Tag, also ein paar Stunden später, hielt ich einen maßgeschneiderten Anzug aus den zuvor von mir ausgewählten Materialien und Farben in den Händen. Jackett, Hose und Hemd genäht in 5 Stunden für 90 Euro. Definitiv das Geld wert.

Die Stimmung im Regierungsviertel in Hanoi würde ich als gedrückt beschreiben. Es wird deutlich ruhiger als in dem Rest der Stadt. Kein Kaugummi kauen! Das stand alle 20 Meter auf einem Schild nahe des Ho Chi Minh-Mausoleum.

Es ist kein Geheimnis: In Vietnam regiert einzig und allein die kommunistische Einheitspartei. Die Bevölkerung nimmt das so hin, denn sich über die Politik zu beschweren, kann Konsequenzen haben. Dass die Bevölkerung alles andere als kommunistisch eingestellt ist, wird einem aber schnell klar. Besonders gut fasst meiner Meinung nach ein Artikel in der Welt die Situation in Vietnam zusammen.

https://www.welt.de/reise/Fern/article163996644/Wie-viel-Kommunismus-steckt-noch-in-Vietnam-und-Laos.html


Passend dazu habe ich ein Bild im Regierungsviertel aufgenommen. Zu sehen sind ATMs vor unterschiedlichen Banken. Diese stehen alle nebeneinander, da sich die Banken einen Konkurrenzkampf liefern und Präsenz zeigen wollen. Im Hintergrund weht die rote Flagge mit dem gelben Stern. Die Farbe und der Stern der Flagge symbolisieren den Kommunismus. Das Bild zeigt also einen deutlichen Widerspruch zwischen der Politik Vietnams und der eigentlichen Lebensweise der Bevölkerung.

Für die letzten Tage buchte ich eine Tour in die Berge. Sapa ist für viele Vietnamesen ein Urlaubsort, nicht zuletzt wegen der angenehmen Temperaturen. Rund um das Bergdorf kann man gut wandern. Nach einem langen Wandertag verbrachte ich eine Nacht in einem Homestay. Das Hotel in Sapa hatte einen großen Balkon mit Blick auf das Bergpanorama. Nette Inder, die mich auf der Tour begleiteten, luden mich nach Indien ein. Das ist das Tollste am Reisen. Internationale Kontakte zu knüpfen. Nach dem Trip hatte ich noch eine Nacht in Hanoi. Ich hatte eine 28 Stunden Busfahrt nach Laos vor mir.

Fazit Vietnam:
Es ist etwas Ungewöhnliches und Aufregendes in Vietnam zu reisen. Ich würde das Land nicht unbedingt wegen seiner Landschaft bereisen, obwohl es schöne Ecken gibt. Vielmehr ist es die Lebensweise und Kultur, die eine besondere Wirkung haben. Besonders das Essen ist bisher das Beste gewesen. Sommerrollen, Bahn Mi (ein belegtes Baguette mit Pastete, Fleisch, Koriander und Gemüse.), Nudelsuppe mit frischen Kräutern wie Minze, Thai-Basilikum und Zitronenmelisse. Und das alles für sehr wenig Geld.